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Der Hamster, Teil 1

Der Hamster ist in diesen Tagen in aller Munde. Vor allem im Zusammenhang mit den sogenannten „Hamsterkäufen“, zu denen sich manch besorgter Mitbürger hat hinreißen lassen. Nachdem dieses Phänomen mittlerweile von Psychologen, Soziologen und den sozialen Medien hinreichend beleuchtet und belächelt worden ist, frage ich mich, ob man dem Hamster damit nicht unrecht tut, wenn man seine instinktgesteuerte Wintervorratshaltung mit unseren angstgeleiteten Klopapier-Käufen vergleicht.

Aber der Blick ins Internet hat mich eines Besseren belehrt: Der Hamster zeigt tatsächlich einen starken Hang zur Übertreibung, wenn es um das Anlegen von Vorräten geht. Laut Wikipedia kann man bei einem Feldhamster schon mal die sagenhafte Menge von neunzig Kilogramm an Pflanzenmaterial im Winterquartier finden. Verglichen mit seinem Körpergewicht, das bis zu 650 Gramm betragen kann, hortet der Hamster also mehr als das 130-fache seines Eigengewichts!

Multiplizieren wir nun das Gewicht des deutschen Durchschnittsverbrauchers mit diesem Faktor (ich entscheide mich für sympathische 75 Kilogramm), dann kommen wir auf 9750 Kilogramm an Nahrungsmitteln, die wir in unseren Kellern vorhalten könnten, um mit Fug und Recht HamsterkäuferInnen genannt zu werden. Und davon ist mit Sicherheit auch der umsichtigste Haushalt weit entfernt.

Deshalb schlage ich vor, hier mit der Wortwahl etwas präziser zu werden. Der Begriff „am-Hamster-orientiertes Kaufverhalten“ zum Beispiel wäre auch für Nicht-Muttersprachler ein echter Verständnisgewinn; denn nimmt man die deutsche Grammatik ernst, bedeutet der Begriff „Hamsterkauf“ nichts anderes als den Erwerb eines Hamsters.

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