Kategorien
Corona-Zeiten system(ir)relevant

Gewohnheiten

Einundzwanzig Tage – die braucht es anscheinend mindestens, um alte Gewohnheiten abzulegen und neue herauszubilden. Um eine echte, also nachhaltige Verhaltensänderung zu erreichen, werden eher um die sechsundsechzig Tage benötigt – abhängig jeweils von verschiedenen Faktoren wie Motivation, Leidensdruck und Disziplin, so zu lesen in einschlägigen Fachzeitschriften. Unser Umzug vor gut einem Jahr bot Gelegenheit, diese Annahmen durch eine Kleinstfeldstudie zu überprüfen und meine Ergebnisse unterstreichen die obengenannten vagen Zahlen tatsächlich: Drei Wochen hat es mindestens gedauert, bis ich auf dem Heimweg nicht mehr falsch abgebogen bin; drei Monate und unzählige Treppenstufen waren nötig bis klar war, welche Küchenutensilien nunmehr im Keller aufgehoben sind. Die neue Telefonnummer ohne zu zögern zu nennen, fällt hingegen bis heute schwer.

Einunzwanzig Tage ist es her, seit die ersten drastischen Maßnahmen in der Corona-Krise in Kraft getreten sind, und ich stelle tatsächlich fest, wie erste Gewöhnungseffekte einsetzen. Die Hand zuckt schon nicht mehr vor, wenn ich andere begrüße, und es hat sich bereits ein sicheres Gefühl für den 1,50m-Abstand entwickelt.

Abgesehen davon hat der Shut-Down für einige unerhörte Veränderungen in meinem Alltag gesorgt. Und manches fühlt sich sogar ziemlich gut an – da könnte ich mich direkt dran gewöhnen. Ich hab mal eine vorläufige Liste erstellt:

Woran ich mich gewöhnen könnte
  • Einen Himmel ohne Kondensstreifen
  • Aufstehen um halb acht
  • Terminfreie Abende
  • Spaziergang in der Mittagssonne
  • Eine leere Straßenbahn
  • Einen zufrieden lernenden Sohn ohne Schuldramen
  • Tage ohne Armbanduhr
  • Die Freude über ein Päckchen Mehl im Supermarkt-Regal
  • Kochen mit Muße
  • Abstand und Rücksichtnahme
  • Meine eigene Langsamkeit

Mal sehen, ob die Zeit, die mir von offizieller Seite noch zur Verfügung gestellt wird, ausreicht, um das ein oder andere zur echten Gewohnheit werden zu lassen.

Eine Antwort auf „Gewohnheiten“

Stimmt, die #stayathome Empfehlung kommt einem schon gar nicht mehr so seltsam vor. Man gewöhnt sich daran, obwohl dies auf Dauer vielleicht dann doch anstrengend wäre.

Deine Liste mit Sachen an die du dich gewöhnen könntest gefällt mir. (Das mit den Kondensstreifen ist mir gar nicht aufgefallen, stimmt)

Bei mir sind es vor allem:

– freie Abende (eigentlich sogar ganze Tage)
– wenig Kontakte
– mal meine to-read Liste abarbeiten
– das eine oder andere von „was-man-schon-immer-aufräumen-wollte“ erledigen
– praktisch ohne Terminkalender leben (deswegen hab ich auch schon einen Termin verpasst – und das bei den wenigen die man hat)
– man grüsst sich auf der Strasse wieder
– Spieleabende per Videokonferenz

Freu mich wenn wir all dies auch positiv sehen können und wir alle gesund in vielen Jahren unseren Enkeln erzählen konnen: „Damals, als man nicht raus durfte, ……

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.