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Corona-Zeiten Veränderung

Murmeltier-Jahr

Es ist der 23. März, der Wecker klingelt, ich stehe (nach zweimal snoozen) auf, koche den Ingwer-Tee und schalte die Nachrichten an: Das Virus beherrscht die Schlagzeilen, der Lockdown wird verlängert, Ostern wird ohne großfamiliäre Eiersuche stattfinden und einkaufen geht am besten im örtlichen Supermarkt.

Ich blinzle kurz, schaue nochmal auf die Jahreszahl am Kalender: Wir schreiben das Jahr 2021, aber mich beschleicht das untrügliche Gefühl, als hätte ich alles schonmal erlebt. Vor circa einem Jahr und dann immer wieder.

Mir kommt das täglich grüßende Murmeltier aus Punxsutawney in den Sinn und die Zeitschleife, in der Phil Connors, ein übellauniger Wetter-Berichterstatter dort gefangen war.

Nach dem ersten Schock über den sich wiederholenden 2. Februar, verfolgt Phil unterschiedliche Strategien im Umgang mit diesem Tag, den er bald in- und auswendig kennt. Schließlich überwiegt aber die Verzweiflung und er versucht seinem Leben ein Ende zu setzen. Es gelingt ihm nicht: An jedem vermeintlich neuen Morgen erklingt zuverlässig und unbarmherzig der Song „I got you, Babe“ aus dem Radiowecker und er muss sich der immergleichen Realität erneut stellen.

Irgendwann stellt Phil fest, dass er zwar die äußeren Umstände nicht ändern kann: Er sitzt fest in einem Nest in der amerikanischen Provinz und hat über den Murmeltiertag zu berichten. Seine Haltung dazu kann er jedoch sehr wohl verändern. Wie er diesen einen Tag verbringt – darauf hat er Einfluss. Unter stark eingeschränkten Möglichkeiten beginnt er also zu lernen: Klavierspielen, Zuhören, Eis-Skulpturen-Schnitzen, Freundlich sein und nicht zuletzt Lieben. Allmählich geschieht eine erstaunliche Wandlung.

Am Schluss ist es die erwiderte Liebe, die die Zeitschleife löst. Phil geht als geläuterter Mann aus diesem scheinbar endlosen 2. Februar hervor und beschließt, mit seiner Rita in Punxsutawney zu bleiben.

Im Grunde eine echte Mutmach-Geschichte für das Leben in Lockdown-Endlos-Schleifen. Es gibt sie auch jetzt, die Gestaltungsspielräume und Gelegenheiten zur Wandlung – es muss ja nicht unbedingt Klavierspielen sein.

2 Antworten auf „Murmeltier-Jahr“

Liebe Heidi, mach uns weiter Mut! Denn das ist das Luxusproblem, wenn’s eben nicht um die finanzielle Existenz oder um das nackte körperliche Überleben geht, dann gehts um die Laune …..unter der man selbst leidet oder die andere tangiert, um das subjektive Gefühl, nicht mehr Subjekt sondern Objekt zu sein . Mach uns Mut, zu gestalten!

Liebe Birgit, manchmal ist es anscheinend leichter, anderen Mut zu machen, als sich selbst. Ich bin immer meine erste Adresse…
Danke für deine Ermutigung, weiter Worte zu suchen – auch wenn es schon so unendlich viele gibt.

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