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Beobachtungen

L O L

Nur noch drei Buchstaben sind nötig, um eine griffige dreiteilige Redewendung noch knackiger auszudrücken. Die dazugehörigen drei Wörter wurden quasi „gekürzt“, so dass nur noch die jeweiligen Anfangsbuchstaben übrig bleiben. Auf solche Weise entstandene Buchstabenfolgen nennt man „Akronyme“. Sie werden gerne genutzt, um das Tippen auf dem Smartphone zu beschleunigen, oder um dem aktuellen Befinden (meist am Headset) kurz aber kraftvoll Ausdruck zu verleihen.

Die Entstehung solcher Akronyme liegt oft im Dunkeln, oft werden sie nur von Screen to Screen oder von Mikro zu Mikro weitergegeben. Folglich lassen sich am korrekten Umgang mit Akronymen die Eingeweihten von peinlichen Möchtegern-Usern unterscheiden.

Da ich an der Seite von zwei Jungs als Mutter herangewachsen bin, hatte ich die Chance, ganz nahe am Puls der Akronyme zu sein und durch unauffälliges Mithören und geschicktes Nachfragen zumindest eine Teilkompetenz in deren Gebrauch zu erreichen.

So gelang es mir relativ zeitnah, das Akronym LOL zu entschlüsseln. Englischkenntnisse sind dabei durchaus hilfreich, denn LOL bedeutet ungekürzt „Laughing out Loud“ (geht also in Richtung „selten so gelacht“). Diese Erkenntnis habe ich eine zeitlang sogar ein bisschen stolz vor mir hergetragen, bis ich das Akronym LOL in einem ganz anderen Zusammenhang wieder angetroffen habe. Wiederum dank meines in PC-Spielen versierten Sohnes bekam es eine neue Bedeutung: LOL, das steht auch für „League of Legends“ – ein legendäres Free-to-play MOBA* Game. (Auflösung dieses Akronyms s. unten – oder mutig selbst herausfinden)

Als ob zwei Varianten nicht genug wären, bietet mir nun Amazon mit allabendlicher Penetranz ein neues Serienformat an, das den klangvollen Titel trägt „Last one Laughing“ – in anderen Worten: „Wer zuletzt lacht…“ oder gekürzt auf drei Buchstaben: L O L …

Und weil wir gerade in einer Serienflaute waren und ich von der jungen Generation im Hause schon davon gehört hatte, haben wir uns mal reingeschaltet. Die Idee ist einfach: Zehn Berufskomiker und Berufskomikerinnen befinden sich sechs Stunden lang im gleichen Raum, oder zumindest so lange, wie sie es schaffen, nicht zu lachen. Wer zweimal gelacht hat (oder auch nur gegrinst – die Regeln sind streng), scheidet aus. Die Anwesenden versuchen also gleichzeitig, sehr komisch zu sein, damit die anderen lachen, aber auf keinen Fall zu lachen, wenn die anderen sehr komisch sind.

Diese Spielidee kommt mir bekannt vor! Ich sehe Kinder vor mir, die im Stuhlkreis sitzen. In der Mitte auf allen Vieren der sogenannte schwarze Kater, der auch auf einen Stuhl sitzen will. Das erreicht er, wenn er ein Kind aus der Runde zum Lachen bringt. Dafür nutzt er alle Tricks, die ein Kater eben so drauf hat. Das so angemachte Kind darf nicht lachen und muss – ohne mit der Wimper zu zucken – folgende Worte sagen: „Armer schwarzer Kater!“ Was dem Spiel gleichzeitig den Namen gibt.

Schon damals hab ich mich gefragt, warum man sich an einem fröhlichen Jungscharabend krampfhaft das Lachen verbeißen muss, bzw. eine/r sich vor eingefrorenen Gesichtern zum Affen/Kater machen soll. Und so sitze ich auch heute mit einer Mischung aus Unverständnis und tiefem Mitleid mit den Akteuren vor dem Bildschirm (das allerdings dadurch gemildert wird, dass alle freiwillig dabei sind und ein hoher Geldbetrag ausgelobt ist). Aber vielleicht verstehen die Beteiligten das Ganze ja als Training für eine bessere Frustrationstoleranz auf der Bühne? Oder sie wollen die Qualität ihrer Gags unter extremen Umständen testen? Wir haben abgeschaltet.

Nein, es ist so gar nicht mein Format, dieses LOL der dritten Art. Denn ich stelle immer wieder fest, dass überhaupt viel zu wenig gelacht wird im richtigen Leben, und vor allem das Lachen über einen selbst viel zu kurz kommt. Dabei hätten wir doch so viele Gelegenheiten dazu!

Schauen wir uns doch einfach mal zu beim Versuch, halbwegs würdevoll durch einen ganz normalen Tag zu kommen: wie wir morgens noch recht zerknautscht vor dem Spiegel stehen; wie wir ulkige Gewohnheiten pflegen; wie wir wunderliche Begegnungen haben und sonderbare Gespräche führen; wie wir versuchen, souverän und kompetent zu wirken; wie wir uns selbst so wichtig nehmen… Einfach frohgemut betrachten, was wir so treiben den lieben langen Tag. Wer braucht da noch Comedians?😉

Und deshalb will ich zurück zum Original- Akronym: LAUGHING OUT LOUD! Grinsen, lächeln und mir heimlich zuzwinkern zählt auch. Anlässe dafür liefere ich mir gewiss auch heute😃

*Multiplayer-Online-Battle-Arena

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