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Corona-Zeiten Veränderung

Lockerungen

Komisch: Überall wird jetzt gelockert – nur ich fühle mich immer verspannter…🤔

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Back to Normal?

Dieser Tage wird immer wieder davon gesprochen, dass es eine Rückkehr zur Normalität geben wird, ja geben muss; sicher wird dies ein längerer Prozess sein, aber am Ende soll eine „neue Normalität“ auf uns alle warten und uns belohnen für wochenlangen Verzicht.

Wenn es die „Normalität“ sein soll, die wir am 16. März hinter uns gelassen haben, dann erwarten uns unter anderem verstopfte Autobahnen und Gedrängel an der Warteschlange. Kreuzfahrtschiffe werden wieder die schönsten Städte Europas mit Tausenden von Passagieren fluten, und Touristen können ihre spektakulären Urlaubsbilder auf Instagram posten. Unsere Hähnchen-Teile landen wieder auf dem Markt von Kampala, Uganda, während der Plastikwertstoff zum „Recycling“ nach Südostasien verschifft wird. Statt über Corona-Tote wird über Anschlagsopfer in Kabul berichtet und Polizisten verbringen ihre Samstage wieder vor Fußballstadien.

Unsere Terminkalender sind wieder gefüllt und an den Schulen können endlich bewertbare Leistungsnachweise erbracht werden. In den Supermärkten bleiben dann wieder genügend Lebensmittel übrig, um die Tafeln ordentlich auszustatten. Die Mülltüten in den Kinosälen sind wieder voll mit Popcorn-Eimern und Eisverpackungen und irgendwann wird auch gefeiert werden, mit richtig vielen Menschen, richtig lauter Musik, Bierdosen und Sekt.

Ich gebe zu, bei diesen Aussichten hält sich meine Vorfreude in engen Grenzen. Aber wer sagt, dass wir in genau diese Normalität zurück sollen. Es gab schon diverse andere Formen der Normalität vor der aktuellen, an die wir uns gewöhnt haben.

Anfang der Siebziger galt es zum Beispiel als normal, ein Auto pro Familie zu besitzen, einmal im Jahr in den Urlaub zu fahren, und die Möbel, die man zur Hochzeit erworben hatte, zu nutzen, bis sie auseinanderfielen. Der Raumbedarf belief sich auf 26,4qm pro Person (vor zwei Jahren waren es 46,7qm) und in der Regel genügte ein Einkommen, um eine Familie ganz gut zu ernähren.

Ich weiß, man wird leicht sentimental, wenn es um eigene Kindheit- und Jugendzeiten geht, aber ich plädiere dringend für eine umfassendere Vorstellung von Normalität. Außerdem: Nur weil etwas als normal gilt, heißt das noch lange nicht, dass es per se gut und deshalb schützenswert ist. Und auch wenn ganz viele Menschen das Gleiche tun, so kann das doch ziemlich daneben sein.

Der vielzitierte Begriff der „neuen Normalität“ könnte darauf hinweisen, dass nicht alles genauso werden wird, wie es vorher war. Hoffentlich bedeutet er nicht, dass wir uns beim gewohnten Treiben nur mit etwas mehr Abstand bewegen und eine Maske aufsetzen.

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‚Lethal Weapon II‘

Wie der gleichnamige Film bekommt nun auch mein Beitrag ‚Lethal Weapon‘ eine Fortsetzung. Und wie im Filmgeschäft geht es auch hier um das gleiche Thema unter etwas veränderten Vorzeichen.

Mit Einführung der bundesweiten Maskenpflicht in dieser Woche wird es bei jedem Einkauf sichtbar: Wir befinden uns im Feindesland. Lethal Weapons all over the place! Die Menschen um mich herum könnten alle das perfide Virus übertragen, und genau dieselben Menschen sehen in mir eine potentielle Gefährderin. Und so warnt uns die Maske: Seht euch vor und werdet bloß nicht leichtsinnig! Wir müssen uns voreinander schützen!

Um diese Botschaft zu vermitteln ist der Mund-Nasen-Schutz ganz hervorragend geeignet. Denn wenn vom Gesicht eines Menschen nur noch die Augen zu sehen sind, assoziieren wir das gemeinhin mit Gefahr. So haben wir es jedenfalls in unterschiedlichen Szenarien gelernt:

  • Bankräuber, Schlägertrupps und gewaltbereite Demonstranten verbergen ihr Gesicht, um nicht erkannt zu werden. Das kennen wir aus Zeitungen, Video-Clips, Serien oder haben es live erlebt.
  • Ärzte trugen bisher immer dann eine grüne Einwegmaske, wenn es für uns Patienten ungemütlich wurde. Und auch wenn der Chirurg es noch so gut meint, so sorgt der Anblick einer OP-Maske doch eher für einen erhöhten Puls.
  • Muslimische Frauen, die in Vollverschleierung in der Öffentlichkeit auftreten, haben heftige Diskussionen in der Gesellschaft ausgelöst und hinterlassen bei vielen ein beklommenes Gefühl.

Eine Vermummung, Maskierung und Verschleierung signalisiert uns also von jeher unmissverständlich: ACHTUNG! Gefahr im Verzug!

Was uns also die Maske im wahrsten Sinne vor Augen hält, ist der Ernst der Lage: Der Feind ist noch mitten unter uns! Tragen wir jedoch einen Mundschutz, setzen wir ein sichtbares Zeichen gegen diesen unsichtbaren Gegner. Am Ende war genau das der eigentliche Grund für die Einführung der Maskenpflicht, sagt die Skeptikerin in mir.

Aber wer weiß, vielleicht werden die Kinder von heute ganz andere Assoziationen beim Anblick von vermummten Gesichtern entwickeln. Vielleicht wächst eine Generation heran, die mit Masken Mitgefühl verbindet und Solidarität, und die mehr Zutrauen in solche Mitmenschen hat, die nur ihre Augen zeigen. Man sagt ja, der Mensch sei lernfähig.

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Bleiben Sie gesund!

Mit der Corona-Pandemie hat eine neue Grußformel Einzug gehalten, mit der seit Wochen quasi rituell E-Mails, Fernseh-Nachrichten und der kurze Plausch über den Gartenzaun beendet werden: Bleiben Sie gesund!

Grammatikalisch betrachtet ist diese Formel ein Imperativ, also eine Aufforderungs- und Befehlsform. Und tatsächlich: Wir tun alles, um dieser Aufforderung nachkommen.

Schnell und eindeutig haben Politik und Gesellschaft in der Corona-Krise Schwerpunkte gesetz: Die Gesundheit des Einzelnen und der Schutz des Gesundheitssystems wurden zur obersten Priorität erklärt. Noch nie wurden in der Bundesrepublik derartig einschneidende Verordnungen verhängt; selbst die mächtigsten Wirtschaftzweige blieben nicht verschont. Und wir, die Bürgerinnen und Bürger, haben uns bereitwillig gefügt und tun dies immer noch.

Es geht ja auch um unser aller Gesundheit! Es geht darum, Leben zu retten! Das ist der große gemeinsame Nenner, der diesen einzigartigen Lock-Down möglich gemacht hat. Jede und jeder kann hier seinen oder ihren Beitrag leisten!

Die einen bleiben Zuhause, beschulen Kinder und nähen Mundschutzmasken; die anderen erhalten die relevanten Säulen des Systems aufrecht. Ich staune über die ungeheure Dynamik, die das große Thema Gesundheit mit den Untertiteln „Wir retten Leben“ und „Wir kämpfen gemeinsam gegen das Virus“ freigesetzt hat!

Die neue Grußformel beschwört gleichsam die gemeinsame Sache: Bleiben Sie gesund! Bleibt gesund! Bleiben wir alle gesund! – Ja, das machen wir, das versuchen wir, „no matter what it takes“.

Großartig, wie wir darin vereint sind. Und gleichzeitig wundere ich mich doch ein wenig über diese vehementen Weichenstellungen in Richtung „Gesundheitsschutz“. Ansonsten sind wir da ja nicht ganz so konsequent.

Wenn es uns so ernst ist damit, warum verkaufen dann Supermärkte seit Jahren Produkte, die eindeutig gesundheitsschädlich sind, weil sie hauptsächlich aus Zucker bestehen? Warum ertragen wir Fluglärm, Autoabgase und Pestizide, als ob sie gottgegebene Bestandteile des Alltags wären?

Kümmert uns die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen, die in kongolesischen Minen ohne jegliche Schutzkleidung Kobalt für unser neues Smart-Phone abbauen? Und was ist mit der Gesundheit der vietnamesischen Näherin, die in einem 12-Stunden Tag für unsere Boutiquen die Herbstmode 2020 schneidert? Und wie gesund kann es für die Müllsortierer in Malaysia sein, Berge von deutschem „Recycling“- Müll zu durchwühlen?

Bleiben Sie gesund! Das wünschen wir doch in Wahrheit nur uns selbst und unseren Nächsten hier und heute mit dem Corona-Virus vor Augen. Also gut, im Zweifelsfall auch noch all den anderen, die mich ansonsten anstecken könnten.

Heute kommt mir leider kein gefälliger Schluss-Satz in den Sinn. Ich denke, es wird Zeit, meine Corona-Zeiten-Kategorie für eine Weile ruhen zu lassen, sonst wird die noch moralinsauer. So langsam ist es an der Zeit, darüber hinaus zu denken.

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Nüchterne Zahlen

Nach der emotionalen Achterbahn ausgelöst durch die gestrige Einkaufserfahrung sitze ich heute eher ernüchtert am Schreibtisch. Was hat mich da eigentlich getrieben?

Um die Dinge etwas in Relation zu setzen, zücke ich wieder meinen Taschenrechner für ein von allen Seiten anfechtbares Rechenexempel, und frage: Wie wahrscheinlich ist es, dass mir hier im Ort ein nicht-getesteter Infizierter begegnet?

Als Quelle nutze ich dieses Mal die Seite www.corona.karlsruhe.de, die mir aktuelle Zahlen zum gestrigen Dienstag für die Stadt und den Landkreis liefert. Da Eggenstein direkt an den Stadtkreis angrenzt, scheint mir das eine sinnvolle Entscheidung. And here we go:

Am 21. April sind in Karlsruhe Stadt und Landkreis 1248 Menschen positiv auf das Virus getestet. Davon gelten 601Personen als wieder genesen. Diese Zahl subtrahiere ich kühn von der Gesamtzahl – denn mir geht es ja um die derzeit Erkrankten und damit Ansteckenden – und komme somit auf 647 Menschen. Nun sind genau diese gerade nicht in der Öffentlichkeit unterwegs, sondern befinden sich in Quarantäne, haben aber natürlich bereits andere Leute angesteckt.

Für alle weiteren Berechnungen begebe ich mich in ganz trübe Gefilde, indem ich die „Dunkelziffer“ der Infizierten abschätze. Wie der Name schon sagt und meine Recherchen bestätigen, ist diese Ziffer sehr unscharf, weil man einfach noch zuwenig weiß über Verbreitung des Virus. Deshalb entscheide ich mich für den vergleichsweise sehr hohen Faktor 10 mit dem ich die Zahl der Positiv-Getesteten multipliziere.

Demnach wären 6.470 arglose Mitbürger Träger des Virus und stellen meine Dunkelziffer dar. Im untersuchten Gebiet leben offiziellen Angaben zufolge 748.316 Einwohner. Ins Verhältnis gesetzt wären demzufolge 0,86% der hiesigen Bevölkerung oder aufgerundet 9 von 1000 unerkannt infiziert und in der Öffentlichkeit unterwegs.

Nun muss ich nur noch diese Quote auf meinen Wohnort übertragen, in dem 16.455 Menschen leben (Stand Dezember 2019) und komme zum Ergebnis, dass 148 davon unter die Kategorie naVT (nichtsahnende Virus-Träger) fallen.

Und damit bin ich schon (oder endlich) bei meiner Ausgangsfrage und Gefahrenpotentialsanalyse angelangt: Wie wahrscheinlich ist es, dass einer dieser 148 gleichzeitig mit mir an der Gemüsetheke steht?

Angesichts der eh schon spekulativen Natur meiner Berechnungen und den Unwägbarkeiten der Wahrscheinlichkeitsrechnung, muss ich es wohl dabei belassen. Ist sowieso die Frage, ob mir dieses Wissen beim nächsten Einkauf wirklich weiterhilft…😷

P.S. Die reinen Zahlen für unsere Kommune auf corona.karlsruhe.de liegen im Übrigen weit unter meinem Ergebnis. In Eggenstein-Leopoldshafen gab insgesamt es bisher 12 Infizierte, davon gelten am 21. April 11 Personen wieder als genesen. Meiner Dunkelzifferberechnung zufolge würden hier also nur 10 Menschen (1 Erkrankter x 10) zu den naVT zählen. Na dann…

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Abenteuer Einkauf

Heute war ich im örtlichen Supermarkt, um für unsere vierköpfige Familie den Wocheneinkauf zu erledigen. „Früher“ war das eine notwendige Routinetätigkeit, die ich relativ emotionslos erledigt habe. Seit „Corona“ ist die gleiche Tätigkeit mit einem echten Nervenkitzel verbunden. Ich spüre das schon am Abend vorher, wenn ich meine Einkaufsliste erstelle: Wird denn dieses Mal Mehl da sein? Kriege ich noch Bananen? Und vor allem: Was hat sich vor und im Markt verändert? Denn eines ist sicher – es wird anders laufen als beim letzten Besuch, und es wird unzählige neue Möglichkeiten geben, sich falsch zu verhalten. Und das will ich ja auf keinen Fall!

So bin ich also mit leicht erhöhtem Puls losgefahren, ungefähr zur Mittagszeit, in der die meisten Leute beim Essen sitzen und nicht einkaufen gehen sollten. Die erste Neuerung gleich beim Einkaufswagenparkplatz: Heute wurde der Griff nämlich dort desinfiziert, noch bevor ich meine Münze eingesteckt hatte. Neue Hinweisschilder am Eingang empfahlen dringend, doch beim Einkauf eine Maske zu tragen. Die hatte ich aus bereits genannten Gründen nicht dabei, was mich aber nicht vor dem Gefühl bewahrte, mich völlig daneben zu benehmen.

Neu waren auch die zwei Boxen mit Einmal-Handschuhen, die am Drehkreuz bereit standen. „Nur ein Paar pro Einkauf“ stand dabei. Ich nahm gar keines, weil ich vor kurzem irgendwo gelesen habe, dass von solchen Handschuhen auch Gefahr ausgehen kann. Trotzdem hat sich auch das nicht richtig angefühlt, eher „ungenügend“ oder „mangelhaft“.

Nun hatte ich zum einen mit diesem Versager-Komplex zu kämpfen, zum anderen galt es, die anderen KundInnen im angemessenen Abstand zu umfahren, gleichzeitig den Wagen zu bestücken und meine Liste abzuarbeiten.

Für allzu viel Beobachtung blieben also weder Zeit noch Muße, aber ich hatte den Eindruck, dass die Menschen im Markt das Gefahrenpotential des Einkaufens ähnlich sahen wie ich: Hier zwischen diesen Regalen könnte ja ein nicht-getesteter Infizierter stehen! Und genau genommen könnte das auch ich selbst sein! So manövrierten wir alle in weitem Bogen umeinander, der Blick konzentriert auf den Gang gerichtet, der Mund fest geschlossen oder eben unsichtbar.

Nach diesem Slalom war der Weg durch den Kassenbereich fast schon ein Kinderspiel. Die Markierung am Boden, die Plexiglasscheiben vor der Kassiererin – alles bereits vertraut und eingeübt. Jetzt nur noch vor der Bäckertheke an der richtige Stelle bestellen, das Bargeld so platzieren, dass keine Berührung mit der Verkäuferin stattfindet, dann durch die Automatik-Tür und – endlich wieder tief einatmen.

Ich spürte direkt, wie die Anspannung im Magen nachließ und der Puls sich normalisierte. Bei jedem Schritt über den Parkplatz wurde meine Haltung aufrechter und der Blick weiter. Fast schon beschwingt habe ich alles im Kofferraum verstaut; ein Gefühl von Stolz erfüllte mich im Anblick all der Produkte, die ich dem Supermarkt abgerungen hatte.

Zuhause angekommen kam ich mir vor wie die Heldin aus einer Fantasy-Serie, die gerade ein gefährliches Abenteuer bestanden hat. Ganz ehrlich: Wer braucht noch Abenteuer-Parks, wenn das Einkaufen uns einen derartigen Thrill bietet?

Auch in der kommenden Woche gibt es wieder Spannung pur: Dann werden nur noch Maskierte durch die Gänge ziehen!

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Zum Abgewöhnen

Wie an anderer Stelle schon erwähnt, braucht es eine gewisse Zeit, bis ein verändertes Verhalten zur Gewohnheit wird. Man spricht hier meist von mindestens einundzwanzig Tagen; je nach Hartnäckigkeit können aber auch gut und gerne zwei bis drei Monate vergehen, bis ein Verhalten dauerhaft verändert ist.

Fünf Wochen oder fünfunddreißig Tage im alternativen Shut-Down-Modus liegen mittlerweile hinter uns und ich merke, wie sich die ein oder andere Gewohnheit – quasi ohne mein Zutun – schon etwas ausgeschlichen hat. In der Hinsicht ist die Corona-Zeit so etwas wie eine Art Fastenzeit, nur dass dabei nicht ich entscheide, worauf ich verzichten will, sondern dass hier für mich entschieden wurde. Am Ende der Fastenzeit, die ich dieses Jahr ohne Fleisch, ohne Alkohol und ohne Nutella verbracht habe, konnte ich feststellen, dass mir das Fleisch gar nicht gefehlt hat. Meine Nutella-Lust war nach wenigen Tagen verschwunden, und das Glas Rotwein am Abend ließ sich ganz gut durch Tee oder Traubensaft ersetzen.

Nun bietet mir das durch die Corona-Krise bedingte Fasten neue und unerwartete Verzichtsaspekte, und auch wenn wir noch mitten drin sind, möchte ich die Gelegeheit nutzen und überlegen, was ich eigentlich gar nicht mehr unbedingt ins Leben danach re-integrieren will.

Was ich mir abgewöhnen könnte:
  • Nutella mit dem Löffel essen
  • mir Sorgen um Ereignisse im Herbst machen
  • Avocados kaufen
  • meine Tage möglichst effizient planen
  • mich über Unerledigtes ärgern
  • mich von Schnäppchen zum Kauf verleiten lassen
  • systemrelevant sein zu wollen
  • mich überhaupt soviel zu ärgern
  • Haare tönen

Mal sehen, was in den nächsten zwei Wochen noch dazu kommt. Die Liste werde ich dann einfach um weitere Punkte ergänzen.

  • Einkaufen (hinzugefügt am 26. April)
  • S-Bahn fahren

Bis zum 3. Mai werden wir dann übrigens insgesamt sieben Wochen im Lock-Down-Modus verbracht haben. Und damit wären wir bei dem Motto vieler kirchlicher Fastenaktionen, nämlich: Sieben Wochen Ohne! Beste Voraussetzungen, um zu sehen, was wirklich gefehlt hat und was für die Zukunft wirklich wichtig ist.

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Nachgerechnet

Anscheinend sind die Maßnahmen, die die Bundesländer zur Eindämmung des Corona-Virus verordnet haben, insofern erfolgreich, als sich die Zahl der Neuinfizierten in einem Rahmen bewegt, der für das Gesundheitssystem zu bewältigen ist. Was aber bedeutet diese gute Nachricht für unseren weiteren Umgang mit der Pandemie?

Dieser Frage möchte ich mal wieder mit einem kleinen Rechenexperiment* nachgehen. Wir wissen: Die Anzahl der Neuinfizierten lag heute sowie in den letzten Tagen bei ungefähr 2.500. Für meine Berechnungen erhöhe ich sie etwas, auch weil nach einer Lockerung der ganz strikten Regeln eine leichte Erhöhung der Ansteckung zu erwarten ist.

Gehen wir also davon aus, dass sich in Deutschland weiterhin täglich 3.000 Menschen neu mit dem Corona-Virus infizieren. Dann wären nach einem Jahr 1.095.000 Menschen mit dem Erreger in Kontakt gekommen und hoffentlich immun. Um die angestrebte Herdenimmunität🐑 zu erreichen muss ein Großteil einer Population immun oder geimpft sein. Gehen wir hier von 70% aus, dann wären das in Deutschland 56 Millionen Menschen. Diesen Stand hätten wir bei der jetzigen Zunahme in gut 51 Jahren erreicht😊.

Stehen wir damit etwa gemeinsam vor einem historisch einmaligen globalen Generationenprojekt 🌍des Abstandhaltens, der Minimalproduktion und des Konsumverzichts, mit dem gleichzeitig auch noch sämtliche Klimaziele eingehalten würden?

Ich fürchte, es wird vorher ein passender Impfstoff gefunden…😉


* Das Experiment genügt wahrscheinlich keinerlei wissenschaftlichen Ansprüchen und lässt sich nur durch meine Freude am Zahlenspiel rechtfertigen🙂.

🐑 So ein schöner medizinischer Begriff! Wer mehr wissen möchte: https://de.wikipedia.org/wiki/Herdenimmunität

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Ostern 2020

„Die Welt danach wird eine andere sein,“ so der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gestern in seiner Fernsehansprache. Damit meinte er natürlich die Corona-Krise, aber dieser Satz passt auch gut zum Osterfest. Die Welt nach jenem ersten Ostermorgen war eine völlig andere für die Männer und Frauen, die ihr Vertrauen auf Jesus von Nazareth gesetzt haben. All ihre Träume, Hoffnungen und Wünsche hatten sie mit ihm begraben; und nun war auf einmal der Himmel wieder offen. Mit der Auferstehung feiern wir auch heute noch das Leben mitten im Tod, den Neubeginn da, wo alles zu Ende schien, die Zuversicht nach der Erfahrung des totalen Scheiterns, die ungeheuerliche Veränderung.

„Die Welt nach Corona wird eine andere sein“, sagt Steinmeier und da stimme ich unumwunden zu. Anders wird sie auf jeden Fall, wie die veränderte Welt konkret aussehen könnte, bleibt offen. Er fügt lediglich hinzu: „Wir alle haben das in der Hand.“ Und da könnte das Problem liegen. Es gibt halt nicht nur die eine Hand, sondern sehr viele. Und ich vermute, dass es sehr unterschiedliche Ideen und Meinungen darüber gibt, wie eine andere Welt aussehen soll.

Für mich zum Beispiel ist eine Welt ohne Fußballbundesliga durchaus denkbar; auch SportUtilityVehicles bräuchte ich in der veränderten Welt gar nicht. Einwegklamotten zum Schleuderpreis gäbe es auch nicht mehr. Verreisen würden wir seltener und Convenience Food würde nach und nach aus der Kühltheke verschwinden. Immobilienspekulanten wären arbeitslos, weil es genug Wohnraum für alle gäbe.

Vielleicht wären wir schlechter frisiert und die Haare ehrlich grau. Die Garderobe würden wir nicht jede Saison wechseln, und die Kinder nicht zum Vokabel-Lernen drängen. Die pflegeleichten Steingärten würden sich in wilde Vorgärten verwandeln und Menschen hätten Zeit, darin auf einer Bank zu sitzen. Wir würden ganz viel Staunen – über die Welt, die Käfer und Vögel, unsere Nachbarn und Freunde – und über uns selbst.

Tja, wenn ich es „in der Hand“ hätte… Ziemlich viele Konjunktive sind das geworden, und dabei hätte ich noch viele weitere Zukunftsvisionen.

Aber vielleicht muss ich gar nicht warten, bis die Welt von meinen Ideen überzeugt ist. Vielleicht bietet mir die Kombination von Ostern und Corona genau die Aufbruchstimmung, die nötig ist.

„Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.“

Mahatma Gandhi

Selten hat dieses Wort besser gepasst als an diesem Osterfest.

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Zahlenspiele

Zahlen spielen eine herausragende Rolle seit die Gefährlichkeit des Corona-Virus in der Millionenstadt Wuhan entdeckt wurde. Immer wieder wurden Zahlen der Infizierten und Toten genannt. Zum festen Teil meines Tagesbeginns wurden sie schließlich ab dem ersten gemeldeten Fall in Deutschland. Seither verging kein Morgen ohne Nennung der aktualisierten Zahlen in doppelter Ausführung, denn das Robert-Koch-Institut und die Johns-Hopkins-Universität haben unterschiedliche Strategien, also auch dauerhaft abweichende Zahlen. Ich beziehe mich in diesem Beitrag der Einfachheit halber nur auf die RKI-Zahlen.

Fünfundneunzigtausenddreihunderteinundneunzig Infizierte wurden heute Morgen gemeldet und eintausendvierhundertundvierunddreißig Todesfälle. Im Vergleich zu den gestrigen Zahlen bedeutet dies einen Zuwachs von dreitausendsechshundertundsiebenundsiebzig Infizierten, sowie zweiundneunzig Todesfällen. In Ziffern: 95 391 / 1434 / 3677 / 92

Nun haben wir das schwarz auf weiß. Und nun? Was wollen uns diese nackten Zahlen sagen? Was machen wir mit diesen Zahlen, bzw. was machen diese Zahlen mit uns? Inwieweit tragen sie zur allgemeinen Information bei?

Mich haben sie von Anfang an eher irritiert, weil sie mehr Fragen ausgelöst als beantwortet haben. Zurück blieb ein diffuses Angstgefühl, das ich so nicht stehenlassen wollte.

Eigentlich mag ich Zahlen nämlich gerne. Sie laden mich immer direkt ein, etwas mit ihnen anzustellen. Ich kann an keinem Grabstein vorbeigehen, ohne das Lebensalter des Verstorbenen anhand der beiden Jahreszahlen auszurechnen.

Insofern reizen mich auch die morgendlichen Corona-Zahlen und ich spiele mit ihnen verschiedene Modelle durch, um sie für mich zu deuten. In welchem Verhältnis stehen sie zu einander? Was passiert, wenn ich sie in einen bestimmten Zusammenhang stelle?

Für die heutigen Berechnungen habe ich mich meinem eigenen halbwegs überschaubaren Umfeld zugewandt – dem Landkreis Karlsruhe. Die Zahlen sind vertrauenswürdigen Ministeriumsquellen entnommen, aber ich füge mal vorsichtshalber hinzu: Ohne Gewähr!

Der Landkreis hat 442 700 EinwohnerInnen. Davon sind 505 Menschen mit dem Corona-Virus infiziert (Stand 05.04.), was einen Anteil von 0,11% ergibt; das heißt auf 1000 BewohnerInnen kommt etwas mehr als ein Infizierter. Hochgerechnet auf 100 000 EinwohnerInnen entspricht dies 113,7 Fällen was wiedrum die Infektionsrate (gemeldete Infektionen pro 100 000 Einwohner) für den Landkreis Karlsruhe darstellt.

Wenn ich mir nur diese Zahlen anschaue, erscheint mir die Lage hierzulande recht überschaubar, selbst wenn die Dunkelziffer der Infizierten deutlich höher sein wird. Ich nutze diese Zahlenspiele also, um meinem Angstgefühl etwas entgegenzusetzen. Ein anderer mag das Ganze völlig anders interpretieren und wird durch sie eher alarmiert und in Sorge versetzt.

Genauso ist für mich, die ich nur ungern Auto fahre, die Zahl der Verkehrstoten aus dem Jahr 2019 mit 3059 ein klares Zeichen dafür, dass unbedingt ein Tempolimit her muss, während ein leidenschaftlicher Motorist darauf hinweisen wird, dass wir verkehrspolitisch auf dem richtigen Weg sind, weil die Quote seit den 50er Jahren nicht mehr so niedrig war.

Die Vermutung liegt nahe, dass sich mit den identischen Zahlen fast jede bereits vorhandene Einstellung begründen lässt.