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Corona-Zeiten Slow Month Veränderung

Slow Motion

Ein Entschleunigungs-Feature für meinen „Slow November“ setzt ganz praktisch und naheliegend im Bereich der Fortbewegung an. Strecken, die ich üblicherweise mit dem Rad zurücklege, gehe ich zu Fuß. Wo ich sonst das Auto nehme steige ich auf’s Fahrrad oder in die Bahn.

Seit fünf Tagen praktiziere ich nun diese Form der „Slow Motion“ und kann bereits erste Erkenntnisse zur benötigten Kraftanstrengung festhalten: Natürlich brauche ich mehr körperliche Kraft, um nach Leopoldshafen zu laufen, oder nach Neureut zu radeln, aber das kann ich ja direkt auf mein Fitness-Konto buchen, wo es sich positiv auswirkt. Kein Problem also an dieser Stelle.

Schwierig wird es bei der benötigten Zeit. Davon muss ich von vornherein mehr einplanen, und zwar mindestens doppelt so viel wie mit der herkömmlichen Fortbewegungsform. Und genau hier beginnt der Kraftakt: Noch bevor ich meine lauftauglichen Schuhe anziehe, überlege ich, was ich in dieser Zeit noch alles würde erledigen können. Und wenn ich auf’s Rad steige, wird mir klar, dass ich mit dem Auto effizienter einkaufen und früher kochen könnte.

Wirklich erstaunlich, dass solche Gedanken sich vordrängen, obwohl ich in dieser Woche im Vergleich zum Oktober nur ein Viertel an Terminen habe! Ganz offensichtlich ist mehr als genug Zeit da, und wenn ich dann mal unterwegs bin, freue ich mich an der Bewegung.

Es ist also dieser fiese Druck, meine Zeit möglichst produktiv und effizient zu verbringen, der sich der Entschleunigung in den Weg stellt! Ihn frontal anzugreifen und auseinanderzunehmen, ist mir im Moment noch nicht möglich. So versuche ich es erstmal mit Ignorieren und Ausweichen und fahre, bzw. laufe bisher recht gut damit. 😉

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Corona-Zeiten Slow down Veränderung

Kraftanstrengungen

Jens Spahn, der genesene Gesundheitsminister, hat am 1. November im heute-journal bei Marietta Slomka eine interessante Ansage gemacht. Er sagte, jetzt sei „zuerst einmal eine nationale Kraftanstrengung im November“ nötig, die Devise heiße „Entschleunigung für alle“.(*)

Auf den ersten Blick erschien mir das etwas dramatisch, aber vor allem paradox: Es soll langsamer zugehen für alle, und dafür braucht es eine enorme Kraftanstrengung? 🤔

Aber tatsächlich kann Entschleunigung durchaus anstrengend sein. Dazu muss man nur mal die Übungen im Fitness-Studio oder auf der eigenen Matte in Zeitlupe ausführen. Da kommen nochmal andere Kräfte ins Spiel.

Nun wird seit Montag das öffentliche und private Leben durch die neuen Corona-Verordnungen gedrosselt, und die Worte von Herrn Spahn über die nationale Kraftanstrengung scheinen schon nach drei Tagen zutreffender, als ich zunächst dachte.

Ich habe viel weniger Termine und Verpflichtungen, aber eine spürbare Erleichterung will sich nicht einstellen. Es fühlt sich eher schwerer und mühsamer an, durch den Tag zu gehen. Und wenn ich meine Mitmenschen auf der Straße oder auf den Bildschirmen betrachte, dann verstärkt sich dieser Eindruck noch.

Wo und warum wird das Leben durch die Verlangsamung eigentlich anstrengender? Welche Kraftakte sind angesichts der kollektiven Entschleunigung gefordert?

Diesen Fragen will ich mich in den kommenden Tagen und Wochen im Rahmen einer Kleinst-Studie widmen. #Slow Month.

(*) und wendet sich damit an eine Nation, der es auf Autobahnen nicht schnell genug gehen kann 😃

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Lockerungen

Komisch: Überall wird jetzt gelockert – nur ich fühle mich immer verspannter…🤔

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Back to Normal?

Dieser Tage wird immer wieder davon gesprochen, dass es eine Rückkehr zur Normalität geben wird, ja geben muss; sicher wird dies ein längerer Prozess sein, aber am Ende soll eine „neue Normalität“ auf uns alle warten und uns belohnen für wochenlangen Verzicht.

Wenn es die „Normalität“ sein soll, die wir am 16. März hinter uns gelassen haben, dann erwarten uns unter anderem verstopfte Autobahnen und Gedrängel an der Warteschlange. Kreuzfahrtschiffe werden wieder die schönsten Städte Europas mit Tausenden von Passagieren fluten, und Touristen können ihre spektakulären Urlaubsbilder auf Instagram posten. Unsere Hähnchen-Teile landen wieder auf dem Markt von Kampala, Uganda, während der Plastikwertstoff zum „Recycling“ nach Südostasien verschifft wird. Statt über Corona-Tote wird über Anschlagsopfer in Kabul berichtet und Polizisten verbringen ihre Samstage wieder vor Fußballstadien.

Unsere Terminkalender sind wieder gefüllt und an den Schulen können endlich bewertbare Leistungsnachweise erbracht werden. In den Supermärkten bleiben dann wieder genügend Lebensmittel übrig, um die Tafeln ordentlich auszustatten. Die Mülltüten in den Kinosälen sind wieder voll mit Popcorn-Eimern und Eisverpackungen und irgendwann wird auch gefeiert werden, mit richtig vielen Menschen, richtig lauter Musik, Bierdosen und Sekt.

Ich gebe zu, bei diesen Aussichten hält sich meine Vorfreude in engen Grenzen. Aber wer sagt, dass wir in genau diese Normalität zurück sollen. Es gab schon diverse andere Formen der Normalität vor der aktuellen, an die wir uns gewöhnt haben.

Anfang der Siebziger galt es zum Beispiel als normal, ein Auto pro Familie zu besitzen, einmal im Jahr in den Urlaub zu fahren, und die Möbel, die man zur Hochzeit erworben hatte, zu nutzen, bis sie auseinanderfielen. Der Raumbedarf belief sich auf 26,4qm pro Person (vor zwei Jahren waren es 46,7qm) und in der Regel genügte ein Einkommen, um eine Familie ganz gut zu ernähren.

Ich weiß, man wird leicht sentimental, wenn es um eigene Kindheit- und Jugendzeiten geht, aber ich plädiere dringend für eine umfassendere Vorstellung von Normalität. Außerdem: Nur weil etwas als normal gilt, heißt das noch lange nicht, dass es per se gut und deshalb schützenswert ist. Und auch wenn ganz viele Menschen das Gleiche tun, so kann das doch ziemlich daneben sein.

Der vielzitierte Begriff der „neuen Normalität“ könnte darauf hinweisen, dass nicht alles genauso werden wird, wie es vorher war. Hoffentlich bedeutet er nicht, dass wir uns beim gewohnten Treiben nur mit etwas mehr Abstand bewegen und eine Maske aufsetzen.

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All you need OHNE... Veränderung

Oben Ohne

Mittlerweile liegen 49 Tage wechselnde Corona-Zustände hinter uns, und für mich wird es höchste Zeit, eine neue Kategorie einzuführen. „Ohne…“ soll sie heißen, denn was wir derzeit ausprobieren können, ist ein Leben ohne gewisse Selbstverständlichkeiten; die einen sind uns lieb, deshalb vermissen wir sie, die anderen haben uns irgendwie schon immer geärgert. Beginnen möchte ich mit dem Blick nach oben:

Es ist der 3. Mai, und die Sonne scheint am strahlend-blauen Himmel. Dort ist immer noch kein Kondensstreifen weit und breit sichtbar, und bei Nacht stehe ich unter einem Sternenhimmel (fast) ohne künstliche Flugobjekte. Vor hundert Jahren war das die Normalität. Wer weiß – vielleicht wird es irgendwann wieder eine Zukunft geben ohne Flugzeuge, die über den Himmel schweben. Eine Welt „oben ohne“ sozusagen. Und wenn es soweit käme, wie würden künftige Generationen wohl zurückblicken auf die Zeiten der Luftfahrt?

Ein interessantes Gedankenspiel, das im „Book of Life“ sehr anschaulich beschrieben ist. Ein Märchen aus der Zukunft sozusagen:

Eine Welt ohne Flugreisen

Seit Jahren hören wir, dass es wichtig sei, weniger zu fliegen; heute stellen wir uns mal eine Welt vor, in der die Menschen gar nicht mehr fliegen würden.

In dieser Zukunft werden Kinder zu Füßen der Alten sitzen und unerhörten Geschichten lauschen über eine mythische Zeit, als riesige komplizierte Maschinen so groß wie mehrere Häuser sich in die Lüfte erhoben und hoch über dem Himalaya und der Tasmanischen See dahinflogen.

Die weisen Ältesten würden erklären, dass im Inneren des Flugzeugs Passagiere waren, die für dieses Privileg nur den Preis von ein paar Büchern gezahlt hatten; ungeduldig und undankbar verdeckten sie mit Jalousien den Ausblick aus dem Fenster; schweigend saßen sie neben Fremden und beschwerten sich über das Essen in Miniatur-Plastik-Geschirr, das nicht so schmackhaft war, wie das in der eigenen Küche Zubereitete.

Die Ältesten würden hinzufügen, dass die Himmel, die jetzt nur von durchziehenden Schwärmen von Bienen und Spatzen gestört wurden, früher vom donnernden Geräusch der Luft-Giganten gebebt hatte, und dass die Städte dieser Welt zu weiten Teilen durch deren Start- und Landebetrieb erschüttert worden waren.

Vielleicht erwähnen sie, dass empfindsame Menschen in Fulham, einem Vorort des alten London, aufgrund des unablässigen Anflugs von Aluminiumröhren aus Canada und der US-amerikanischen Ostküste, selten länger als bis halb sechs Uhr am Morgen hatten schlafen können.

Am JFK, inzwischen zum Museum geworden, könnte man ganz gemütlich über die beiden Hauptstartbahnen gehen und sogar der Versuchung nachgeben, sich im Schneidersitz direkt auf die Mittellinien zu setzen – eine Geste mit ähnlich erhabenen Schauer, wie das Berühren eines abgeschalteten Hochspannungskabels. […]

Natürlich würde alles sehr langsam gehen. Um nach Rom zu kommen, würde man zwei Tage brauchen, und einen Monat, um endlich jubelnd im Hafen von Sidney einzusegeln. Und doch wären gerade mit dieser trägen Langsamkeit auch Vorteile verbunden.

Diejenigen, die das Zeitalter der Flugzeuge erlebt hatten, würden sich an die Verwirrung erinnern, die sie – nur Stunden nach dem Aufbruch von Zuhause – bei der Ankunft in Mumbai oder Rio, Auckland oder Montego Bay empfunden hatten; die leichte Übelkeit und Verwirrtheit, durch die sich das alte arabische Sprichwort bewahrheitet, nachdem die Seele immer nur so schnell reist wie ein Kamel.

Was immer die Vorteile der massentauglichen und bequemen Luftfahrt auch sein mögen, wir könnten sie auch verfluchen – weil sie schlicht zu einfach ist, zu unspektakulär – und dass sie dadurch unsere aufrichtigen Versuche zunichte macht, uns selbst durch unsere Reise zu verändern.

Die bequeme, massentaugliche Luftfahrt hat zweifellos ihre Vorteile. Dennoch hätten wir allen Grund, sie zu verfluchen: Denn sie macht das Reisen zu einfach, zu unspektakulär, und damit untergräbt sie unsere aufrichtigen Bestrebungen, uns selbst zu verändern auf unseren Reisen. […]

Trotz all dem Chaos und den Unannehmlichkeiten durch unsere vereitelten Flugpläne: Wir sollten dem Virus dankbar sein. Es erlaubt uns, für einen kleinen Moment darüber nachzudenken, worum uns eine flug-freie künftige Welt sowohl beneiden als auch bedauern würde.

Englisches Original unter: https://www.theschooloflife.com/thebookoflife/a-world-without-air-travel/

Ich, als Einmal-im-Leben-Fliegerin, habe großen Spaß an so einer Vorstellung. Wahrscheinlich werde ich noch nicht bei den Alten sein, die den Kindern solche Geschichten erzählen. Aber auch Pferdewagen galten einst als großartige Innovation für die Mobilität, und die finden unsere Kinder ja auch fast nur noch in Museen.

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Abenteuer Einkauf

Heute war ich im örtlichen Supermarkt, um für unsere vierköpfige Familie den Wocheneinkauf zu erledigen. „Früher“ war das eine notwendige Routinetätigkeit, die ich relativ emotionslos erledigt habe. Seit „Corona“ ist die gleiche Tätigkeit mit einem echten Nervenkitzel verbunden. Ich spüre das schon am Abend vorher, wenn ich meine Einkaufsliste erstelle: Wird denn dieses Mal Mehl da sein? Kriege ich noch Bananen? Und vor allem: Was hat sich vor und im Markt verändert? Denn eines ist sicher – es wird anders laufen als beim letzten Besuch, und es wird unzählige neue Möglichkeiten geben, sich falsch zu verhalten. Und das will ich ja auf keinen Fall!

So bin ich also mit leicht erhöhtem Puls losgefahren, ungefähr zur Mittagszeit, in der die meisten Leute beim Essen sitzen und nicht einkaufen gehen sollten. Die erste Neuerung gleich beim Einkaufswagenparkplatz: Heute wurde der Griff nämlich dort desinfiziert, noch bevor ich meine Münze eingesteckt hatte. Neue Hinweisschilder am Eingang empfahlen dringend, doch beim Einkauf eine Maske zu tragen. Die hatte ich aus bereits genannten Gründen nicht dabei, was mich aber nicht vor dem Gefühl bewahrte, mich völlig daneben zu benehmen.

Neu waren auch die zwei Boxen mit Einmal-Handschuhen, die am Drehkreuz bereit standen. „Nur ein Paar pro Einkauf“ stand dabei. Ich nahm gar keines, weil ich vor kurzem irgendwo gelesen habe, dass von solchen Handschuhen auch Gefahr ausgehen kann. Trotzdem hat sich auch das nicht richtig angefühlt, eher „ungenügend“ oder „mangelhaft“.

Nun hatte ich zum einen mit diesem Versager-Komplex zu kämpfen, zum anderen galt es, die anderen KundInnen im angemessenen Abstand zu umfahren, gleichzeitig den Wagen zu bestücken und meine Liste abzuarbeiten.

Für allzu viel Beobachtung blieben also weder Zeit noch Muße, aber ich hatte den Eindruck, dass die Menschen im Markt das Gefahrenpotential des Einkaufens ähnlich sahen wie ich: Hier zwischen diesen Regalen könnte ja ein nicht-getesteter Infizierter stehen! Und genau genommen könnte das auch ich selbst sein! So manövrierten wir alle in weitem Bogen umeinander, der Blick konzentriert auf den Gang gerichtet, der Mund fest geschlossen oder eben unsichtbar.

Nach diesem Slalom war der Weg durch den Kassenbereich fast schon ein Kinderspiel. Die Markierung am Boden, die Plexiglasscheiben vor der Kassiererin – alles bereits vertraut und eingeübt. Jetzt nur noch vor der Bäckertheke an der richtige Stelle bestellen, das Bargeld so platzieren, dass keine Berührung mit der Verkäuferin stattfindet, dann durch die Automatik-Tür und – endlich wieder tief einatmen.

Ich spürte direkt, wie die Anspannung im Magen nachließ und der Puls sich normalisierte. Bei jedem Schritt über den Parkplatz wurde meine Haltung aufrechter und der Blick weiter. Fast schon beschwingt habe ich alles im Kofferraum verstaut; ein Gefühl von Stolz erfüllte mich im Anblick all der Produkte, die ich dem Supermarkt abgerungen hatte.

Zuhause angekommen kam ich mir vor wie die Heldin aus einer Fantasy-Serie, die gerade ein gefährliches Abenteuer bestanden hat. Ganz ehrlich: Wer braucht noch Abenteuer-Parks, wenn das Einkaufen uns einen derartigen Thrill bietet?

Auch in der kommenden Woche gibt es wieder Spannung pur: Dann werden nur noch Maskierte durch die Gänge ziehen!

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Corona-Zeiten Veränderung

Zum Abgewöhnen

Wie an anderer Stelle schon erwähnt, braucht es eine gewisse Zeit, bis ein verändertes Verhalten zur Gewohnheit wird. Man spricht hier meist von mindestens einundzwanzig Tagen; je nach Hartnäckigkeit können aber auch gut und gerne zwei bis drei Monate vergehen, bis ein Verhalten dauerhaft verändert ist.

Fünf Wochen oder fünfunddreißig Tage im alternativen Shut-Down-Modus liegen mittlerweile hinter uns und ich merke, wie sich die ein oder andere Gewohnheit – quasi ohne mein Zutun – schon etwas ausgeschlichen hat. In der Hinsicht ist die Corona-Zeit so etwas wie eine Art Fastenzeit, nur dass dabei nicht ich entscheide, worauf ich verzichten will, sondern dass hier für mich entschieden wurde. Am Ende der Fastenzeit, die ich dieses Jahr ohne Fleisch, ohne Alkohol und ohne Nutella verbracht habe, konnte ich feststellen, dass mir das Fleisch gar nicht gefehlt hat. Meine Nutella-Lust war nach wenigen Tagen verschwunden, und das Glas Rotwein am Abend ließ sich ganz gut durch Tee oder Traubensaft ersetzen.

Nun bietet mir das durch die Corona-Krise bedingte Fasten neue und unerwartete Verzichtsaspekte, und auch wenn wir noch mitten drin sind, möchte ich die Gelegeheit nutzen und überlegen, was ich eigentlich gar nicht mehr unbedingt ins Leben danach re-integrieren will.

Was ich mir abgewöhnen könnte:
  • Nutella mit dem Löffel essen
  • mir Sorgen um Ereignisse im Herbst machen
  • Avocados kaufen
  • meine Tage möglichst effizient planen
  • mich über Unerledigtes ärgern
  • mich von Schnäppchen zum Kauf verleiten lassen
  • systemrelevant sein zu wollen
  • mich überhaupt soviel zu ärgern
  • Haare tönen

Mal sehen, was in den nächsten zwei Wochen noch dazu kommt. Die Liste werde ich dann einfach um weitere Punkte ergänzen.

  • Einkaufen (hinzugefügt am 26. April)
  • S-Bahn fahren

Bis zum 3. Mai werden wir dann übrigens insgesamt sieben Wochen im Lock-Down-Modus verbracht haben. Und damit wären wir bei dem Motto vieler kirchlicher Fastenaktionen, nämlich: Sieben Wochen Ohne! Beste Voraussetzungen, um zu sehen, was wirklich gefehlt hat und was für die Zukunft wirklich wichtig ist.

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Corona-Zeiten Tage wie dieser Veränderung

Ostern 2020

„Die Welt danach wird eine andere sein,“ so der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gestern in seiner Fernsehansprache. Damit meinte er natürlich die Corona-Krise, aber dieser Satz passt auch gut zum Osterfest. Die Welt nach jenem ersten Ostermorgen war eine völlig andere für die Männer und Frauen, die ihr Vertrauen auf Jesus von Nazareth gesetzt haben. All ihre Träume, Hoffnungen und Wünsche hatten sie mit ihm begraben; und nun war auf einmal der Himmel wieder offen. Mit der Auferstehung feiern wir auch heute noch das Leben mitten im Tod, den Neubeginn da, wo alles zu Ende schien, die Zuversicht nach der Erfahrung des totalen Scheiterns, die ungeheuerliche Veränderung.

„Die Welt nach Corona wird eine andere sein“, sagt Steinmeier und da stimme ich unumwunden zu. Anders wird sie auf jeden Fall, wie die veränderte Welt konkret aussehen könnte, bleibt offen. Er fügt lediglich hinzu: „Wir alle haben das in der Hand.“ Und da könnte das Problem liegen. Es gibt halt nicht nur die eine Hand, sondern sehr viele. Und ich vermute, dass es sehr unterschiedliche Ideen und Meinungen darüber gibt, wie eine andere Welt aussehen soll.

Für mich zum Beispiel ist eine Welt ohne Fußballbundesliga durchaus denkbar; auch SportUtilityVehicles bräuchte ich in der veränderten Welt gar nicht. Einwegklamotten zum Schleuderpreis gäbe es auch nicht mehr. Verreisen würden wir seltener und Convenience Food würde nach und nach aus der Kühltheke verschwinden. Immobilienspekulanten wären arbeitslos, weil es genug Wohnraum für alle gäbe.

Vielleicht wären wir schlechter frisiert und die Haare ehrlich grau. Die Garderobe würden wir nicht jede Saison wechseln, und die Kinder nicht zum Vokabel-Lernen drängen. Die pflegeleichten Steingärten würden sich in wilde Vorgärten verwandeln und Menschen hätten Zeit, darin auf einer Bank zu sitzen. Wir würden ganz viel Staunen – über die Welt, die Käfer und Vögel, unsere Nachbarn und Freunde – und über uns selbst.

Tja, wenn ich es „in der Hand“ hätte… Ziemlich viele Konjunktive sind das geworden, und dabei hätte ich noch viele weitere Zukunftsvisionen.

Aber vielleicht muss ich gar nicht warten, bis die Welt von meinen Ideen überzeugt ist. Vielleicht bietet mir die Kombination von Ostern und Corona genau die Aufbruchstimmung, die nötig ist.

„Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.“

Mahatma Gandhi

Selten hat dieses Wort besser gepasst als an diesem Osterfest.