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Thoughts for a Storm

Heute poste ich einen „fremden“ Text, weil ich ihn in der aktuellen Situation für bedenkenswert halte. Zusammen mit meinem Mann habe ich ihn aus dem Englischen übertragen. Das Original füge ich im Anschluss auch bei, für alle, die Freude an Englisch haben.

So wird außerdem deutlich, wieviel mehr Worte ich im Deutschen brauche, um Wendungen aus dem Englischen sinnvoll zu übersetzen, und dass natürlich immer auch ein Stück Interpretation dabei ist. Und es wird auffallen, dass ich das oft vernächlässigte Semikolon, den Strichpunkt, sehr gerne verwende (-;

Gefunden habe ich diese Worte bei der „School of Life“, einer Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, Lebensthemen zu behandeln, die in unserer Schullaufbahn schon immer zu kurz gekommen sind, und sie tut dies auf außergewöhnlich erfrischende und zugleich herausfordernde Art und Weise.

Die „Thoughts for a Storm“ sind schon länger im „Book of Life“ zu finden (der Online-Bibliothek sozusagen), also nicht auf Corona-Zeiten zugeschnitten. Und trotzdem könnten sie eine Antwort sein auf die Fragen, die mich nach einem Tag voller Krisennachrichten und -berichte verfolgen: Was können wir denn überhaupt tun? Wie mit allem umgehen? Hier wären ein paar Ideen dazu:

GEDANKEN FÜR STÜRMISCHE ZEITEN

Annehmen – Wir sind eine wunderbare, unwahrscheinlich zerbrechliche Spezies in einer auf geheimnisvolle Weise mit Sauerstoff angereicherten Ecke des Universums. Wir waren noch nie und werden auch in Zukunft nicht die Herren unserer Lebensumstände sein; wir sind und bleiben eindrucksvollen unkontrollierbaren Kräften ausgeliefert, und sollten uns jenen mit einer gewissen Bereitwilligkeit unterwerfen.

Eingestehen – Unsere Ohnmacht angesichts künftiger Ereignisse; die Machtlosigkeit unserer Intelligenz; eine Bescheidenheit, die uns die Natur lehrt; unsere Verwundbarkeit durch mikrobisches Leben in all seiner absurden Vielfalt.

Loslassen – Die Ideale der Perfektion, der faltenfreien Gesichter und der makellosen Lebensläufe. Wir sollten – und zwar regelmäßig – damit rechnen, dass wir immer wieder vollkommen überrascht werden.

Keinen Verfolgungswahn entwickeln – Bei allem, was auch geschehen ist – es ging nie um uns. Wir wurden nicht auserwählt. Wir mögen Opfer sein; aber wir waren niemals Ziele.

Lieben – Unsere gebrochenen Mitmenschen; unseren in gleicher Weise geängstigten und verwirrten Nachbarn eine Hand reichen; Freundschaften aufbauen und dabei die  Verwundbarkeit in mir und im anderen als Überraschung und Gnade entdecken.

Dienen: Die erleichternde Erfahrung machen, dass es reicher macht, zu lieben, als geliebt zu werden; und dass es viel befriedigender ist, zu dienen, anstatt bedient zu werden. Gönnen wir uns eine Auszeit von der zermürbenden Suche nach Selbstverwirklichung und nehmen lieber dieses unendlich einfachere Ziel in den Blick: die Unterstützung und Hilfe für andere.

Pessimismus – Seelenfrieden entsteht nicht dadurch, dass du das Beste erwartest, sondern dadurch, dass du dir das Allerschlimmste ausmalst und dich mit den gruseligsten Winkeln vertraut machst. Nimm dem Schrecken auch noch sein letztes unbekanntes Terrain. Bohre Dich selbst durch die Furcht hindurch.

Wertschätzen – Ganz besonders das Singen der Vögel; die Gemälde der unter Siebenjährigen; Bilder von Palmen; Zitronen und die Erinnerungen an Strände und Umarmungen.

Lachen – Über die Absurdität der bescheuerten Show, die gerade abläuft; bestehen wir auf einen trotzigen Humor auf dem Weg zum Galgen.

Sich selbst vergeben – Unsere Unfähigkeit, genauso zu sein, wie wir es gerne wären, und so gelassen und intelligent, wie wir es uns erhoffen. Es ist normal (ja geradezu psychisch gesund), die meiste Zeit verrückt zu sein.

Tag für Tag ein Plätzchen schaffen für bescheidene Freuden – Den Anblick von Blumen; Schokolade; heiße Bäder oder richtig schwarzen Humor zu pflegen mit unerschrockenen Freunden.

Wir gehören zu einer Spezies, die in nur wenigen hunderttausend Jahren ein überwältigendes Verständnis ihrer Existenz erlang hat, einige erstaunliche Maschinen entwickelt hat, und die von sich selbst denkt, sie hätte das Ruder in der Hand.

Vielleicht müssen wir akzeptieren, dass wir uns zu später Stunde doch ein wenig fürchten müssen und uns dabei sehr sehr klein vorkommen.

Thoughts for a Storm

– ACCEPT: We are a miraculous, unlikely fragile species in a mysteriously oxygenated corner of the universe. We have never been and never will be complete masters of our circumstances, we remain invariably at the mercy of awesome uncontrollable forces to which we should submit with a measure of grace.

– CONCEDE: Our impotence before events, the powerlessness of our mighty brains, the humbling inflicted on us by nature, our vulnerability to the absurdities of microbial life.

– LET GO: of ideals of perfection, of uncreased lives and flawless trajectories. We should expect – regularly – to be taken wholly by surprise.

– NO PERSECUTION: None of it was done with us in mind. We have not been singled out. We may be victims; we were never targets.

– LOVE: Our fellow broken humans; hold out a hand to our similarly scared and confused neighbours, build friendships around the always-surprising and blessed discovery of mutual vulnerability.

– SERVE: Gain relief from how much richer it is to love than to be loved and how much more gratifying to serve than to be served. Take a holiday from the gruelling search for self-fulfilment in the name of that infinitely easier goal: the reassurance and relief of others.

– PESSIMISM: Gain peace of mind not by expecting the best, but by scoping out the very worst and making oneself at peace in its grimmest recesses. Drain terror of its unexamined dimensions. Bore yourself out of fear.

– APPRECIATE: especially birdsong, the drawings of the under sevens, pictures of palm trees, lemons and the memories of beaches and hugs.

– LAUGH: At the absurdity of the shitshow; insist on defiant humour on the way to the gallows.

– SELF-FORGIVENESS: For our inability to be exactly as we would wish and as calm and intelligent as we would hope. It is normal (and almost sane) to be demented most of the time.

– SMALL PLEASURES: A day at a time; with a special place for modest pleasures: the sight of flowers, chocolate, hot baths and very dark jokes with unshockable friends.

We come from a species that, in only a few hundred thousand years, reached a dazzling understanding of existence, built some stupendous machines and learnt to think of itself as in charge. We may need to accept the need to feel, in the late hours, a little bit scared – and for a time, very very small.

https://www.theschooloflife.com/thebookoflife/thoughts-for-a-storm/

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Und danach?

Was ich am meisten fürchte?

Dass wir ‚danach‘ einfach so weitermachen wie bisher!